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Was bedeutet EMDR?
EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing ist eine sehr bemerkenswerte, eine sehr effektive Psychotherapiemethode zur Behandlung traumatisierter Menschen.
Sie bewirkt eine Selbstheilung nach traumatischen Erfahrungen durch die neuro-emotionale Integration durch Augenbewegungen. Klingt verwirrend und ist doch ganz „einfach“. Kaum eine andere Methode hat nach der ersten Veröffentlichung (Shapiro, 1989), nach 10 Jahren bereits, offizielle Anerkennung als effektive Therapiemethode gefunden. In über 150 Ländern unserer Erde wird diese Methode bereits in der Psychotraumatologie eigesetzt.
EMDR-Therapie wirkt vor allem, weil sie zunächst die traumatischen Erinnerungen mit all ihren visuellen, emotionalen, kognitiven und körperlichen Empfindungen weckt. Durch die schnellen Augenbewegungen wird unser Gehirn zur schnelleren Informationsverarbeitung angeregt. Es wird angenommen, dass die Augenbewegungen, vergleichbar mit jenen, die spontan im Traumschlaf auftreten, dem natürlichen Heilungsmechanismus des Gehirns eine erforderliche Unterstützung geben. Jetzt kann das Gehirn vollenden, was ihm bisher ohne Hilfe von außen nicht gelungen ist. Die Augenbewegungen bei EMDR gelten als natürlicher Mechanismus, der die Heilung nach einer traumatisierenden Erfahrung beschleunigt.
Was ist gemeint, wenn wir von einem Trauma sprechen? Gewöhnlich beziehen sich Psychotherapeuten hier auf Ereignisse, die fast jeden Menschen in einen großen und starken Erregungszustand versetzen und die mit Reaktionen der Angst, Panik, des Schreckens und der Hilflosigkeit verbunden sind. Doch können auch viele Ereignisse aufgrund der persönlichen Bedeutung, die sie für uns haben, belastend auf uns wirken. Das können verletzende Bemerkungen über unser Äußeres, unsere schulischen Leistungen, das Auslachen wegen unserer Unsportlichkeit, wegen unserer Schüchternheit, den Verlust von uns geliebten und wichtigen Menschen, auch Freundschaften, das Weglaufen oder auch der Tod unseres Haustieres sein. Hier ließe sich die Liste der uns belastenden Ereignisse sicher noch verlängern. Vergessen wir nicht, dass alle Erfahrungen für unser Seelenleben eine wichtige Rolle spielen.
Für EMDR sind diese Unterscheidungen der erlittenen Traumata nicht von Wichtigkeit. EMDR konzentriert sich voll und ganz auf die persönliche Erfahrung des Klienten. Diese Methode beschäftigt sich damit, wie sich die belastende Erfahrung auf den Klienten in seinem täglichen Leben auswirkt. Die Meinung, die Ansicht des Therapeuten spielen hierbei keine Rolle.
In der EMDR-Theorie wird zwischen einem großen und einem kleinen Trauma unterschieden. Ein großes Trauma beinhaltet Ereignisse, die für einen Menschen als lebensbedrohlich wahrgenommen wurden. Hierzu zählen Erlebnisse von Naturkatastrophen, Verbrechen wie Vergewaltigungen, Geiselnahmen, Kampfeinsätze im Krieg. Die Auswirkung solcher Erlebnisse kann so belastend für den Einzelnen sein, dass seine normale Fähigkeit mit schwierigen Situationen fertig zu werden, total überfordert ist. In der Folge können starke Ängste, überwältigende Gefühle der Hilflosigkeit und der Verlust über die Kontrolle der eigenen Situation auftreten.
Als kleines Trauma wird in der EMDR-Theorie die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnet. Die Symptome der PTBS umfassen zwei Arten von gleichzeitig auftretenden Verhaltensweisen. Die eine Verhaltensweise bewirkt ein immer wieder Durchleben des traumatischen Ereignisses. Das kann in Form von Flashbacks, einem plötzlichen Wiederauftauchen der traumatischen Situation, dem Auftreten von Panikanfällen, Alpträumen und immer wiederkehrender, nicht abschaltbarer Gedanken, die sich um das Erlebte drehen, geschehen. Die zweite Art der Verhaltensweise kann sich durch ein Vermeidungsverhalten äußern. Hierbei spielen soziale Isolation, emotionale Abstumpfung, auch Drogenmissbrauch jeder Art eine große Rolle. Physiologische Reaktionen wie Schlaflosigkeit, gesteigerte ständige Wachsamkeit, heftiges Erschrecken bei bestimmten Geräuschen oder Berührungen, die mit dem traumatischen Ereignis in Verbindung gebracht werden, können ebenfalls auftreten.
Kleine Traumata entstehen bei uns allen durch vergleichsweise harmlose, und dennoch belastende Ereignisse, die uns im Alltagsleben ständig begegnen. Diese Erlebnisse erzeugen teilweise die gleichen Gefühle wie die großen Traumata und es ist auch möglich, dass sie ebenso weitreichend hinderliche, ja lebensfeindliche Konsequenzen haben, wie die Traumata die durch Naturkatastrophen und Verbrechen entstanden sind.
Auf Seite 49 des im Junfermann Verlag Paderborn 2007 erschienenen Buches „EMDR in Aktion“, schreiben Francine Shapiro und Margot Silk Forrest:
„Eine der Wirkungen von EMDR besteht meiner Meinung nach darin, dass diese Methode die Verbindung zwischen einem gespeicherten Ereignis und dem körpereigenen Informationsverarbeitungssystems wieder herstellt. Daraufhin wird das Trauma durch den natürlichen Heilungsprozess „verdaut“, und die geistigen Wunden werden möglicherweise genauso schnell geheilt wie körperliche Verletzungen.“
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